Eine Sommerliebe

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Eine Sommerliebe

Sie liegt neben ihm im süß duftenden Gras, erschöpft in knochentiefer Zufriedenheit, eine Hand auf seinem schweißfeuchten Bauch. Der Schatten der großen Eiche malt flackernde Schatten auf seine braune Haut, geheimnisvolle Muster, die ihre Finger zärtlich nachmalen.

Wie zart sein Bauch ist, denkt sie zärtlich. Das regelmäßige Heben und Senken, der Geruch seiner Haut.. sie vergräbt Ihre Nase an seinen Flanken, atmet tief ein.. Geborgenheit. Diesen einen Moment will sie festhalten.. in ihrer Erinnerung. Damit sie ihn erinnern kann, wenn sie müde ist, oder hoffnungslos.. damit sie sich Mut machen kann, dass sich alles ändern kann, alles, in der Zeit zwischen zwei Herzschlägen, in einem atemlosen Moment.

Sie erinnerte sich an gestern abend.. die Nacht wie Samt, der sternenübersähte Himmel, wie eine samtdunkle Decke, die Luft so voller Gerüchte dass man sie fast schmecken kann .. sie beide, befangen und scheu in diesem zauberhaften Wandel von Fremden zu Freunden.. der Spaziergang, erst nebeneinander, mit Schultern und Hüften, die sich beim Gehen wie zufällig berührten, dem verlegenen Lachen, den endlosen, tiefen, hungrigen Gesprächen… die Neugier aufeinander, die Sucht und der Zwang zu WISSEN.. wer bist Du, wohin gehst Du.. was bist Du für MICH…

„An was denkst Du?“ hat sie ihn gefragt, als seine Hand die ihre gefangen hat. „An nichts“, sagte er, mit dieser wunderbaren dunklen Stimme, so sanft. Mit seinen langen, geschmeidigen Fingern, seinen kräftigen Händen hat er die verkrampften Muskeln ihrer Schulter massiert, dann spürte sie seine Lippen auf ihrer Schläfe, wie ein Hauch nur, kühl und aufwühlend wie die Brise über dem Wasser. „Sag mir wovor Du Angst hast“.

So viele Gefühle, die über sie hereinbrechen wie eine reissende Flut.. so viele Gedanken, Verwirrung, Angst, Sehnsucht und Erregung.. an was soll sie sich festhalten? In ihr streiten Stolz, Furcht, und unbändige Freude. Er hat sie angesehen, versteht das Spiel der Gefühle in ihren Augen.. er zog sie einfach an sich, seine Hand an ihrem Rücken presst sie auf ganzer Länge an seinen Körper, bis sie aneinanderpassen wie zwei lang verlorene Puzzlestücke.. es verwundert sie beide, wie gut sie aneinander passen, ihr Kopf liegt perfekt an seiner Schulter, als hätte sie ein gutmütiger Gott dazu geschaffen, miteinander zu tanzen. In ihrem Kopf verstummten alle Gedanken, bis auf ein kurzes Bedauern dass da keine Musik war, etwas das langsam ist, tief und pulsierend.. aber ihre Körper setzen einen eigenen Rhythmus.

Die Finger an ihrem Hals zogen sie noch enger heran. Später, als sie wieder denken konnte, würde sie sich ihre Hilflosigkeit gegenüber ihren wilden Gefühlen damit erklären, dass er vermutlich einen geheimen Nerv an ihr, in ihr berührt hatte.. eine wunderliche, beängstigende Verletzlichkeit in ihr.. ein Schalter, den nur er bedienen kann. So wie es war, breitete sich in ihr eine ungeheure Wärme aus, ein Wohlgefühl und eine Sehnsucht, die alles andere in ihr einfach überrollte und übertönte.. ihr Kopf fiel zurück, und sie ergab sich.

Dieser erste, unwiderbringliche, zutiefst aufwühlende und köstlichste Kuß.. Welle um Welle von Sehnsucht und Verlangen überlief sie, alle Nervenenden ihres Körpers begannen und endeten auf magische Weise in ihrem Mund.. sie fühlte sich hilflos und mächtig zugleich, ausgeliefert und in Kontrolle.. als wäre sein Mund die einzige Nahrung die sie je wollte und brauchte, als sei seine Zunge die einzige Botschaft, die sie je verstanden hat.

Seine Lippen haben sie berührt, berührt bis ins Innerste.. eine Berührung die sie aneinanderschweißt, vereinigt, verzaubert.. zart wie ein Hauch, verspielt, fordernd.. heiß und quälend in ihrer Intensität. Süß, leicht.. hart und beängstigend zugleich. Ein Kuß so intim, so vollkommen.. daß ihr Körper dahinschmilzt, so verzaubert und erobert und besessen ist wie ihr eigensinniger Geist.

Das war gestern.. da wusste sie noch nicht, wie weit wirkliche Intimität mit einem anderen Menschen gehen kann. Was es bedeutet zu lieben.. atemlos, bedingungslos, mit allem was man hat. Sie kannte nicht die Seligkeit der vollkommenen Verschmelzung.. Körper, Geist, Verstand.. alle Sinne blind und hungrig und eingeschworen nur auf den Einen, den Einzigen…keine Zweifel, keine Schranken.. keine Lügen mehr.

Sie weiß es jetzt.

Liebe gibt keine einfachen Antworten. Sie weiß, das es schwer wird.. sie weiß es, während sie hier liegt, mit ihm, satt und atemlos und verzaubert. Liebe ist nicht das Ende aller Schmerzen.. es ist der Anfang... aber sie kann sich nicht fürchten, solange sie seinen Herzschlag an ihrer Wange spürt.

Wie die Kinder sind sie hierher geflüchtet.. vor all dem, was ist.. vor der Angst, vor den Konsequenzen.. vor dem, was getan werden muß. Vor der eigenen Courage… in dem schattigen Licht, das durch die alten Bäume fällt, erschien sie ihm wie eine fleischgewordene Phantasie.. fragil und zart, und doch stark wie ein Stahlfaden, unmöglich erotisch in ihrer ausgebeulten weiten Hose und dem löchrigen Shirt. Ihr Haar war zerwühlt vom Fahrtwind, und von ihren eigenen unruhigen Fingern. Er konnte sich vorstellen, nur zu deutlich, wie sie sich unter seinen Händen anfühlen würde.. sie war scheu und sprunghaft wie ein Reh und ließ es nicht zu, dass er seine Arme um sie legte. Während sie stumm nebeneinander herliefen, stellte er sich vor, wie er ihre Kleidung von ihrem braunen Leib streift, um ihre Wärme und Lebendigkeit zu berühren. Sie schaut ihn ab und zu verstohlen von der Seite an, beide geben vor, des anderen Gedanken nicht zu bemerken. Der Anfang ist schwer.. worauf es hinausläuft, unvermeidlich.

„Es hat sich nichts verändert“ sagte sie. „Es hat sich alles verändert“, sagt er. Er ist sich sicher, dass alle Männer dieses animalischeVerlangen spüren, wenn sie sie sehen.. aber wenn er sie anschaut, richtig anschaut.. dann fühlt er etwas weitaus Komplizierteres als nur körperliche Anziehungskraft. Sein Hals wird trocken, seine Handflächen feucht.. der Wunsch sie zu besitzen ist so stark in ihm, je mehr er nachdenken will, desto konfuser werden seine Gedanken.. er will es nicht in Worte fassen, so zu verlangen.. beunruhigend.

In ihr streiten ähnliche Gedanken um die Übermacht. Eine Frau liefert sich anders aus als ein Mann.. bei ihr geht es immer um Gefühle, nie nur um Sex. Hingabe ist etwas, das über das Körperliche hinausgeht.. ein schweigendes Einverständnis, sein Schicksal mit einem anderen zu verbinden, eine unausgesprochene Bitte darum, geliebt zu werden.

Er zieht sie aus, sie dachte sie würde sich unbeholfen fühlen, unsicher.. vielleicht sogar lächerlich. Aber sie liegt nackt in einem vorwitzigen Sonnenstrahl, und fühlt sich wie eine Göttin. „Ich wollte Dich immer so sehen“, sagt er. „Ich wollte immer, das Du mich so siehst“, sagt sie. Sie wollten geduldig sein, langsam und gemessen.. aber ihr Blut brannte zu heiß, sie zitterten beide im Ansturm der Gefühle, da gab es nur noch Geruch, Geschmack, Gefühl.. ein Verschmelzen in den hungrigen Küssen, ein Suchen und Finden, bis es nicht mehr meine Lippen und Deine Lippen gibt, sondern nur noch unsere Lippen.. ein Körper, ein Fleisch, ein Gedanke.. eine lodernde, hell brennende Flamme der Leidenschaft, ein Leuchtfeuer in dieser öden Wildnis unserer Menschenleben.. keine Kontrolle, keine Gedanken.. nur Innigkeit und das Gefühl, sich gefunden zu haben.. angekommen zu sein.

Hat sie gesagt sie liebt ihn? Hat er ihr gesagt er liebt sie? Hat er gesagt „Mein Schatz“ als er sich verströmt hat? Er erinnert sich später nicht daran. Er glaubt das es passiert ist, aber es kann auch nur seine Vorstellungskraft gewesen sein, etwas das er sich gewünscht hat, während sein Verstand verletzlich war vor Schlaf und gesättigter Lust…
Sie bewahrt seine Worte im Herzen, wird sie nie vergessen. Sie ist sich sicher: Liebe ist mehr als die unzähligen körperlichen Freuden, die sich ein Mann und eine Frau gegenseitig offerieren können.. Da ist Vertrauen und Geduld, Verständnis und Akzeptanz, Großzügigkeit und Freude. Da ist die beseligende, trunken machende Zufriedenheit, in den Armen des Anderen einschlafen zu können, wissend, Dein Geliebter ist noch da, wenn Du wieder aufwachst.

Du musst keine Angst haben, etwas Falsches zu sagen.. Du musst Dich nicht verstellen. Er darf Deine tiefsten, dunkelsten Geheimnisse sehen.. das was Nobel und Gut in Dir ist, und das Hässliche, Kleine.. Du kennst seine Gedanken, seinen Eigennutz.. das was ihn bewegt und antreibt.. seine Härte, seine Verletzlichkeit. Du liebst ihn, eben weil er nicht perfekt ist.. Du liebst ihn, weil er sich vor Dir nicht verstellt.. das was trennt und das was verbindet.. seine Wünsche und seine Obsessionen.. Liebe traut sich, alles mitzuteilen.. Liebe vertraut einfach... wenn es sein muß, blind.

Das schlimmste in einer Beziehung ist die Einsamkeit, die aus Lügen entsteht.. das Schweigen das in den Ohren dröhnt, die Zweifel an sich, und an dem anderen. Wenn ich Dir nicht sagen kann, wie es in mir aussieht, bin ich allein.. auch wenn Du neben mir im Bett liegst. Auch wenn Du mit mir isst, schläfst, meine Sorgen teilst.. wenn Du mich nicht so kennst, wie ich wirklich bin.. dann weißt Du nicht, was Liebe ist.

„Und das ist es,“ dachte sie, während sie den Schlaf ihres Geliebten bewachte, und sich fragte, was hinter seiner glatten Stirn vorging wenn er schlief „… das ist es, was Menschen zu Mördern oder Heiligen machen kann, zu Verrätern an allem, was sie je gepredigt und geglaubt haben, zu den größten Egoisten und zu den zärtlichsten, den uneigennützigsten Märtyrern:
Die absolute, unumstößliche Gewißheit, zu lieben und geliebt zu werden… grenzenlos, bedingungslos.. für einen Moment in der Kälte und Verlorenheit der Ewigkeit. „

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