Leseprobe

Alte und Neue Gedichte...

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Die Dichter sind gegen ihre Erlebnisse schamlos; sie beuten sie aus. (Friedrich Nitzsche)

Long Distance

Wieder eine Viertelstunde gelebt
von Deiner Stimme am Telefon
ganz leise
ein bisschen verschlafen
Dein Lachen an meinem Ohr

Stillschweigen

Das Einkommen eines Märtyrers ist ziemlich unbedeutend
der Schmerz muss Lohn genug sein
Manchmal macht es mir Spass zu leiden, wohl aus dem
Kinderglauben heraus, irgendwann und irgendwie
dafür belohnt zu werden...
Ich hoffe nur, später wird irgend jemand von mir sagen,
das meine Art, den Mund zu halten, sehr vielsagend war...

Wegsehen

Kleines Zwischenspiel mit F. an der Uni....

Ich bin mir ganz sicher, dass da etwas war
zwischen Dir und mir
eine seltsame Spannung, die uns stumm
und ungeschickt machte

Ich glaube, wir waren die Einzigen im Hörsaal,
die bei Verhaltenstheorie nicht stillsitzen konnten

Ziemlich pervers auch
die erstaunliche Symmetrie unserer Gestik
wie Du Dich nach hinten gelehnt hast
und ich mich nach vorne...

Wir waren wohl beide ziemlich feige.
Ich habe die ganze Zeit fieberhaft überlegt,
was ich zu Dir sagen könnte..

Wir haben schliesslich die üblichen Gemeinplätze getauscht
und dabei die Augen des anderen vermieden

Gedanken, während ich auf meine Tortellini warte...

Wirklich pervers finde ich
dass seit vielen Jahren ein Bild von Dir
an dieser fürchterlichen fake wood Wand
in der schmierigen Pizzeria hängt
komplett mit Autogramm
Du kannst höchsten 20 drauf gewesen sein
ziemlich blödes Foto
ich bin mit dem Finger darüber gefahren
und habe an Deine süsse Haut gedacht
und wie Du aussiehst, wenn Du kommst

Liebeskrieg

Indem wir uns unseren Gefühlen ausliefern
sind wir für alle Zeiten die Betrogenen
Die Welt schuldet uns nichts
nicht einmal Achtung
und beherrschen wird uns immer nur das Fleisch
auch wenn der Geist es besser weiss...

Sollte ich nicht lieben? Im Spiegel blickt mich eine Fremde an.
Der Neid auf die, die - noch? - nicht so denken,
hat mir das Hirn vergiftet und die Tage.
Ich hasse meine Bereitschaft vor dem Telefon
Nur das ich weiss, wie erbärmlich ich bin, gibt mir die Kraft,
die Tage, und die Nächte zu ertragen

Ich will Macht über Dich und es ist mir scheissegal, wie...

Ich bin heute nicht in großzügiger Stimmung
deshalb ringe ich mit den Worten
in dieser Stimmung sollte man sich erschiessen
oder die Welt befreien.

Du warst noch nie so schüchtern in der Wahl Deiner Mittel
und trotzdem habe ich Dich gründlich unterschätzt
woran denkst Du, heute,
wenn Du irgendwo auf dieser Welt das Licht löschst,
bist Du mit Ihr nun genauso allein?

Das Bewusstsein, für meinen Zorn zu leben,
lässt mich mein Blut so viel stärker spüren
als in der Zeit, da ich mir einbildete, "glücklich" zu sein...
aber das war ich wohl nie, nur duldsamer,
und soviel nachsichtiger gegen mich selbst
Jetzt spiele ich allen etwas vor, und es schmerzt mich,
meine Familie zu belügen und
die Freunde zu hintergehen, die mich achten.

Früher habe ich mich oft gefragt,
wie ein Krieg entstehen kann.
Heute bin ich mehr als bereit, ihn zu führen.

Der übliche Samstag Abend

Gestern

das hättest Du sehen sollen
Ich habe die halbe Stadt nach Dir abgesucht
Aber Dich nicht gefunden

Ich hätte gar nicht gewusst, was ich machen soll
wenn Du dort gestanden hättest
mit einem Bierglas in der Hand
und einem anderen Namen auf den Lippen

Sehnsucht

Sehnsucht nach den Schatten der Nacht
und Deiner abgebrühten Zärtlichkeit...
ohne Dich bin ich alltäglich
mit Dir schwerelos

Warum nur kann Dich soviel Liebe nicht bezwingen,
sondern nur vertreiben?
Warum nur kannst Du nicht glauben,
dass ich Dich nicht ändern will?

Ich glaube es ja selbst nicht, darum.
Ich küsse Deinen Mund, Deine Hände
und das übrige..

Alles andere habe ich Dir
ja sowieso schon zum Geschenk gemacht.

Schöne Verlierer

Wir sind alle Liebende und Verlierer
es wäre so leicht, einfach nachzugeben
und Dich in meinen Körper zu lassen
und dann wieder wochenlang nichts von Dir zu hören.

Du bist Dein eigener Gott
und Dein Körper ist Dein Tempel
ich bin besessen von dem Gedanken,
Dich in mir zu spüren
und habe doch eine Todesangst davor.

Das Erträumte ist so viel besser als die Realität
und ich vertraue Dir kein Stück
ich kann Dich nicht in meinen Körper lassen.

Ich kann nicht noch mehr Erinnerungen ertragen an Dich.

Egal

Du sagst, dass es nicht Liebe ist,
nur das Gefühl des Augenblickes,
das uns zueinander treibt.
Wenn das wirklich wahr ist, weiss ich nicht,
ob ich noch lieben will, ob ich noch mehr ertragen kann.

Ich kann nicht wissen, ob es Liebe ist,
ich weiss nur, wie sehr ich Dich vermisse,
wenn Du nicht da bist,
und dass ich Angst davor habe, nicht perfekt zu sein,
wenn wir uns wiedersehen.

Ich weiss, dass es ganz falsch ist, die Wochen des Wartens
in wenigen Minuten nachholen zu wollen,
aber ich habe nicht mehr Zeit.

Ausserdem macht mich krank,
dass ich Dir gar nicht nahe kommen kann,
auch nicht mit Worten, und dass ich
Dir ein falsches Bild von mir vermittelt habe,
aber dann ist mir wieder alles egal,
wenn ich nur bei Dir sein kann.

Schöne Verlierer II

Jetzt oder Nie
müsste ich es endlich sein lassen,
wo doch Vergessen so viel mildtätiger ist
als Deine Gegenwart in mir

Es muss doch mehr geben,
als diese Scham und hastige Bereitschaft
all meine Ziele, Wünsche, Ideale
mit den Kleidern abzustreifen
für ein paar gestohlene Stunden, die nur uns gehören
für einen kurzen Raubzug,
der mich wund und zerschlagen zurück lässt,
den bittren Nachgeschmack einen schalen Triumphs
– über was nur, hab's schon vergessen –
noch im Munde...

Aber ich kann nicht vergessen,
wie sich Deine Hand an meiner Wange angefühlt hat
auch nicht den Geruch,
der aus Deinem verschwitzten Haar aufstieg,
als Du Deinen Kopf an meine Schulter geschmiegt hast
wie ein verwirrtes Kind, das unschuldig
und doch so grausam sein kann...

Und das Dein Mund so weich ist,
dass er die Worte Lügen straft,
die mich doch fast zerbrechen,
weil sie mir die Hoffnung nehmen wollen,
auf ein Happy End, eine Zukunft mit Dir...

Für eine blosse Laune ist Deine Haut zu glatt,
ich kann nicht glauben, dass das köstlichste Gefäss
nur Hülle sein soll für etwas,
das ich als unbeschreiblich schlecht empfinden müsste,
wäre es so, wie es mir heute scheint,
wenn Du gegangen bist,
wenn Du mir ferne bist...

Abschiedsgedanken

Bei Dir nicht angekommen,
sondern immer nur abgeblitzt.

An einem beliebigen Tag; vielleicht
einer der unwirklich scheinenden Zufälle
die nicht so bedeutsam sind
wie man mal glauben wollte.

Leidenschaft nicht genug.
Liebe nicht gewollt.
Sehnsüchtige Gedanken ignoriert.
Fragen nicht beantwortet...
Unsere Zeit vertan.

So habe ich keinen Stand bei Dir.

Alles nur zögernde Schritte
auf zugefrorener Fläche
einst lebendigen Wassers.

Wer weiß schon,
wie dünn das Eis ist,
auf dem Du stehst.

Schöne Verlierer III

Jetzt oder Nie
hab ich es sein gelassen
und hoffe, dass Vergessen so viel mildtätiger ist
als Deine Gegenwart in mir...

Ich weiss genau,
wie sich Deine Hand an meiner Wange angefühlt hat
und kenne den Geruch,
der aus Deinem verschwitzten Haar aufsteigt,
wenn wir uns lieben, oder in Deinem Fall,
wenn Dein Körper meinen Körper umarmt..
Aber ich weiss nichts mehr von Unschuld
nur noch von Grausamkeit.

Ich liebe Dich
hoffnungslos
darum beende ich es hier und heute.
Hab mir keinen letzten Kuß gegönnt
keine Umarmung, keinen weiteren Schmerz.
Ich hab versucht, mit Deinen Bedingungen zu leben,
zu akzeptieren, dass Du mir nie mehr geben wirst
als Deinen Körper und ein paar gestohlene Stunden.
Ich weiss, das mich mein Stolz nicht wärmen kann,
aber wenn ich ihn nicht mehr habe, wer bin ich dann?

Es tut so weh. Ich kann nicht mehr.
Und ich seh ein, nichts was ich fühle
kann Dich wirklich erreichen.
So höre ich auf um Dich zu kämpfen
und hoffe auf Frieden in mir.

Ein neuer Tag

Das Gesicht im Spiegel ist schön, aber blass.
Die Augen verschwollen - er denkt es ist eine Allergie.
Sie betrachtet sich und denkt, wer wird mich wohl vermissen
wenn ich einfach weggehen würde, ganz weit weg.

Ihre Trauer umhüllt sie wie ein Mantel
der ihr nicht richtig passt. Zu groß, zu dunkel...
Sie fühlt nichts mehr. Das Herz hat er ihr aus der Brust gerissen,
mit seiner blossen Hand. Der Mund ist taub
erinnert sich an Küsse, die nie wiederkommen
die Haut so wund und kalt und ungeliebt.

Sie weiss nicht, wie sie nun die Nacht ertragen soll,
und wie die Tage ohne ihn. Fühlt sich so tot wie ihre Liebe.

Aber weil das Leben weitergeht, unbarmherzig und schön,
und sie das Leben will und nicht den Tod, trägt sie ein bißchen Schminke auf,
malt sich die blassen Wangen rot, lackiert den Mund mit Gloss,
atmet tief durch und zündet eine Kerze an, vergibt sich leise,
und umarmt den neuen Tag.

Einsicht

Zum wahren Glück fehlt mir die Leichtigkeit
zu schwer mein Tritt,
und eher düster mein Gemüt.
Zu Kompromissen bin ich kaum bereit
stets leide ich mit Freuden mit
und immer an der Liebe.

Glaube, Liebe, Hoffnung

Dein Name ist in meinem Herzen so tief graviert
wie eine Narbe, die ich schon lange Jahre mit mir trage.
Ich weiss, Du willst nicht wissen ob es Liebe war
Ich weiss, ich bin jetzt besser still, denk mir den Rest.

Doch ich verliere schon wieder Gewicht, als hättest Du
mit Deinem Herzen auch meines mitgenommen.
Ich sehe, wie die Flammen durch meine Haut leuchten
Ich sehe, wie ich mich selbst verzehre nach Dir.

Hab mich gewundert, das heute wieder alle freundlich zu mir sind
wo ich nur Leid in meinem Herzen trage, und ihnen gar nichts geben kann.
Ich fühle, alles Fühlen ist umsonst
Ich fühle, das ich funktionieren muss, für mich.

Nur wenn ich tanze, kann ich uns vergessen, versinke ganz
im Rausch der Töne, um mich heil zu fühlen. Ob's hilft?
Ich glaube, es war nicht vergebens.
Ich glaube, ich hab' was gelernt.

Ich fürchte mich so sehr vor all den leeren Tagen,
nun da Du nicht mehr Teil von meinem Planen bist. Dennoch:
Ich liebe, werd nicht aufhören damit.
Ich liebe, weil uns das zu Menschen macht.

Bin stundenlang im Auto herumgefahren
nur um mit mir allein zu sein.
Ich hoffe, irgendwie geht es schon weiter
Ich hoffe, irgendwie geht es schon vorwärts, ohne Dich.

Gefühle

Wenn mein Glaube an Dich ein Licht wäre,
vielleicht würde es niemals wieder Nacht.
Wenn meine Hoffnung die einzige Nahrung wäre,
die mich am Leben hält, dann würde ich ewig leben.
Wenn meine Zärtlichkeit für Dich
wie eine Droge wäre, wären alle Menschen süchtig.
Wenn meine Leidenschaft für Dich so ansteckend
wie eine Krankheit wäre, dann wäre die Welt verloren.
Wenn meine Liebe zu Dir ein Feuer wäre, dann
könntest Du den Wiederschein am Himmel sehen,
wenn Du nachts aus Deinem Fenster schaust.

Lass es nicht zu

Wenn Du traurig bist,
lass nicht zu, dass Bitterkeit
Dein Leben ganz regiert.
Wenn Du Schmerzen fühlst,
lass nicht zu, dass Deine Pein
die Übermacht gewinnt.
Wenn Du verzweifelt bist,
nicht weiter weißt, dann
lass nicht zu, dass Deine Trauer
Deine ganze Welt versteinert und erstickt.
Wenn Du kein Licht siehst,
jeden Morgen fürchtest
dann lass nicht zu, dass Kummer
das Licht der Hoffnung in Dir auslöscht.
Kein „hätt ich“, „könnt ich“, „wär ich doch“
kann Dir nun weiterhelfen.
Lass Dich von Worten trösten,
und von Taten...

Du lebst, Du fühlst, Du atmest noch –
Es ist noch nicht zu Ende!
Die Welt mag grau und kalt erscheinen,
doch in Dir brennt das Feuer noch.
Sei dankbar
lebe
und überlass der Zeit den Rest.

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