Fassade

Fassade

Momentaufnahme Waschraum.

Neben ein paar gelangweilten Mädels, die ihr Handy vollquatschen und mindestens 20 Jahre jünger sind, im kalten, unbarmherzigen Neonlicht vor dem Spiegel stehen. Das ist mein Gesicht... ist das mein Gesicht? Hände waschen, immer wieder... ich bin die einzige, die sieht, dass meine Hände schmutzig sind. Den Wasserhahn laufen lassen, seinen Platz vor dem gesprungenen Waschbecken behaupten, Hände und Arme unter dem kalten, sauberen Wasser kühlen. Durchatmen.

Widerwillig Gedanken schweifen lassen. „Lebe jeden Tag, als wäre es Dein letzter“ – aber wer tut das schon? Ich hab's versucht, bin damit auf die Schnauze gefallen. Der Traum ist vorbei, und Wut im Bauch ist besser als ein wehes Herz. Wo bin ich? Samstag, Kneipe laut, verraucht, laute Musik, Ballermänner und Ballerfrauen, ich gehöre nicht dazu. Mein Kostüm ist Chivas ohne Eis in der Hand, das Lächeln im Gesicht festgefroren...

Einsam im Gedränge, fremder Körpergeruch, in einem Raum voll mehr oder weniger bekannter Leute. Dachte, ich hätte die Zeit hinter mir, bei der ich mich auf Partys besoffen habe, um dann irgendwann entweder kotzend in der Ecke oder knutschend auf dem Körper eines Fremden zu liegen; ich rauche und trinke ja eigentlich auch nicht mehr.

Er wartet draußen, fragt sich bestimmt schon, wo ich bleibe... Ich kenne ihn, so wie ich viele Menschen kenne, wirklich gar nicht, auch wenn er das anders sehen würde. Es ist kein schlechtes Gefühl gehalten zu werden, geküsst zu werden, ehrlich nicht. Nur die Erinnerung daran, wie es ist dabei etwas zu fühlen, ist wie ein dumpfer Schmerz, den man nur dann bemerkt, wenn man meint ihn gelindert zu haben.

Konzentrier Dich. Waschraum. Zum Leben braucht man eher Verstand als Herz - oder einen Strick. Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn man seinem eigenem Blick nicht standhalten kann. Vielleicht, weil ich weiß, was bleiben wird, wenn der Abend und der Rausch vorüber sind: Nichts.

Sehnsucht sucht die Suchenden heim. Der kalte Strahl aus dem Wasserhahn beginnt zu schmerzen. Was hab ich mir eigentlich dabei gedacht? Warum bin ich heute Abend hierher gekommen? Weil man samstags weggeht, Freunde trifft, Spaß hat –haha.

Meine Augen beginnen leicht zu brennen. Jetzt nur nicht heulen. Ich schaue auf, halte meinem Blick stand. Lach, wenn du nicht weinen kannst.

Durchatmen. Ich gehe raus, hole mir noch einen Drink – und lache.

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